Vom Gaswerk zum Stadtteil Neu Leopoldau

Vor über hundert Jahren wurde in Leopoldau das zweite Gaswerk der Stadt Wien errichtet. Licht und Wärme sollte der Bevölkerung leistbar zur Verfügung stehen. So wurde von 1911 bis 1969 aus Steinkohle Stadtgas gewonnen. Als auch die Gasspeicher nicht mehr benötigt wurden, war das knapp 14 Hektar große Areal in Wien-Floridsdorf für eine Nachnutzung frei. Jetzt entstehen in Neu Leopoldau rund 1.400 Wohnungen, 70.000 Quadratmeter Gewerbeflächen, soziale Infrastruktur, Nahversorgung und viel Freiraum. 

Licht und Wärme aus Leopoldau

Mit dem Einsatz von Stadtgas zur Beleuchtung von Straßenlaternen in Wien ab 1843 und der zunehmenden Verbreitung von Gasherden, stieg der Gasbedarf in der Stadt enorm an. Eine besondere Rolle spielte die Erfindung des „Auer-Lichts“. Der Österreicher Carl Auer von Welsbach zog eine Art Glühstrumpf über die Gasflamme und erreichte damit ein helles Leuchten. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt der Gasbedarf noch einmal einen zusätzlichen Schub durch die Einführung von Gasöfen, die das ineffiziente, gefährliche und Abgas belastende Verfeuern von Kohle in der Wohnung ersetzten.

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Die Lage an der Bahn war für die Standortwahl entscheidend

Mit der laufend größer werdenden Nachfrage nach Stadtgas, wurde bald klar, dass das Gaswerk Simmering die Versorgung Wiens allein nicht gewährleisten konnte. Die Standortfindung und die Planung der Kapazität für ein neues Gaswerk in Leopoldau begannen 1905 unter Leitung von Ing. Franz Menzel. Eine besondere Bedeutung hatte in Leopoldau die Lage an der Nordbahn zur Versorgung mit Steinkohle. 1909 wurde mit dem Bau des Gaswerks Leopoldau begonnen, bereits Ende 1911 konnte es fertiggestellt werden.

 

50% des Wiener Stadtgases entstanden in Leopoldau

Das Gelände des Gaswerks Leopoldau wurde sehr großzügig geplant, da laufend mit höher nachgefragten Gasmengen gerechnet werden musste. Tatsächlich wurde die Anlage bis 1940 zahlreiche Male erweitert und erneuert. Die damalige Kombination aus Gaswerk und Kokerei war höchst innovativ. Während des Zweiten Weltkriegs war das Gaswerk Ziel zahlreicher Bombenangriffe. Rund 160 Bomben wurden über dem Areal abgeworfen. Nach Ende des Kriegs wurde das Gaswerk rasch und unter Einsatz großer finanzieller Mittel wiederhergestellt. Ab 1950 wurde die Gewinnung von chemischen Produkten wie Ammoniak aus Kohle immer wichtiger und ab 1960 deckte das Gaswerk Leopoldau rund die Hälfte des Gasbedarfs der Stadt Wien und zählte weltweit zu den modernsten Anlagen seiner Art. Mit der Entdeckung von Erdgasvorkommen in Europa und dem Bau von Erdgaspipelines begann der Niedergang der Stadtgasproduktion. So wurden 1969 die Öfen für die Stadtgasproduktion außer Betrieb genommen und 1985 der letzte der beiden Gasometer stillgelegt.

 

Großzügig angelegtes Areal mit denkmalgeschützten Gebäuden

Was bleibt ist ein Ensemble aus denkmalgeschützten Wohn- und Verwaltungsgebäuden, das großzügig angelegte Areal mit seinen breiten Promenaden und alten Bäumen, sowie historische Einrichtungen, wie das Wohlfahrtsgebäude in dem sowohl die Kantine der Arbeiter, als auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen untergebracht waren.

 

Neues entsteht in Neu Leopoldau

Auf dem Areal entsteht derzeit ein neuer Stadtteil zum Wohnen, Arbeiten und Leben. Durch die Entwicklung des Gebiets Neu Leopoldau wird eine jahrzehntelang brachliegende Fläche für die Nachbarschaft geöffnet und unter dem Motto „Junges Wohnen“ zu einem neuen, lebendigen Stadtquartier entwickelt. Dazu tragen auch die denkmalgeschützten Bestandsgebäude bei, die Raum für Ateliers und Werkstätten für kleinteiliges Gewerbe und Kreative bieten.

Der neue Stadtteil ist an drei Seiten von Grünflächen umgeben, die in Kleingartensiedlungen übergehen. Auch innerhalb des Gebiets sind großzügige Grün- und Freiräume vorgesehen.

 

Neu Leopoldau in Zahlen

  • Baubeginn: Herbst 2017
  • Bezug der ersten Wohnbauten: Sommer 2019
  • Grundfläche: 13,5 Hektar (das entspricht ca. 16 Fußballfeldern)
  • Wohnungen: 1092 geförderte Mietwohnungen, 369 SMART-Wohnungen, 170 freifinanzierte Eigentumswohnungen, sowie verschiedene Wohnkonzepte für spezielle Gruppen wie Alleinerziehende, Lehrlinge, …etc.
  • Gewerbeflächen: ca. 70.000 m²
  • Erschließung: Garagen in Randlagen, das Areal wird verkehrsberuhigt
  • Mobilität: Mit LeoMobilsteht den BewohnerInnen ein breites Mobilitätsangebot im gesamten Wohngebiet zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung.

 

Zusammen wachsen

Die Gebietsbetreuungen Stadterneuerung begleiten die Entwicklungen vor Ort und in der Nachbarschaft seit Oktober 2018 mit dem Stadtteilmanagement Neu Leopoldau. Ziel ist, das Zusammenwachsen zwischen Neubaugebiet und bestehenden Stadtteil und damit ein gelungenes Miteinander zu fördern. Veranstaltungen und die Lebendige Stadtteilkarte laden ein, das Gebiet kennen zu lernen und Kontakte mit NachbarInnen und BewohnerInnen zu knüpfen.

 

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  1. 29.05.2020 9:52 / Thomas FRIEDL

    Ich gehe auch Tag täglich mit meinen Hunden spazieren, leider gibt es zu wenige Mistkübeln, und beim offenen Parkplatz der WIPARK in der Thayagasse wäre es Ideal wenn man die Grünfläche rund herum einzäunt und daraus eine Hundezone macht. Ist von der Lage super, und niemand wird belästigt, die größe der Fläche rund um den Parkplatz passt auch

    • 29.05.2020 10:16 / Stadtteilmanagement Neu Leopoldau

      Sehr geehrter Herr Friedl,
      der Mangel an Mistkübeln ist uns leider bekannt, die Situation sollte sich aber im Laufe der nächsten Monate verbessern. Der Hintergrund dazu ist, dass die Straßenflächen noch nicht im Eigentum der Stadt Wien sind und es daher keine Zuständigkeit von Seiten des Magistrats für die Flächen gibt. Allerdings werden die Straßen in den kommenden Monaten saniert und an die Stadt übergeben, von da an gibt es dann auch mehr Mistkübel so wie eine regelmäßigere Reinigung. Die Baustellenleitung ist aber auch zusätzlich im Kontakt mit der MA 28 um eine Einigung zu erreichen vielleicht schon früher welche zu errichten. Wir arbeiten derzeit auch an einem Beitrag der dieses Thema etwas ausführlicher beleuchtet.

      Und Danke für die Anregung zur Hundezone. Wir werden die Idee einmal aufnehmen und mit den zuständigen Stellen besprechen. Mal sehen ob sich in die Richtung etwas machen lässt.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Michael Masching
      für das Team des Stadtteilmanagements Neu Leopoldau

  2. 16.08.2020 22:40 / Elisabeth Mannsberger

    Ich finde die Aktivitäten im neuen Stadtteil super und besonders freut mich, dass hier von Anfang an ein positives Miteinander von Mensch und Tier / Hund gefördert wird. Wir freuen uns natürlich sehr, wieder bei zukünftigen Nachbarschaftswochen bzw. Aktivitäten mit dabei sein zu können. Gerne stehen wir für Fragen und Informationen rund um den 4beinigen Liebling zur Verfügung.

    Wer uns schon vorher kennenlernen möchte, kann z.B. beim nahenden Hundestammtisch mit unserem Bezirksvorsteher Georg Papai in der Hundeschule vorbei schauen oder bei unserem Hundeturn-Turnier einen Einblick in unsere Arbeit bekommen.
    Infos zu uns und unseren Aktivitäten gibt es auf unseren Homepages oder auf Facebook: http://www.tiermasseur-mannsberger.at , http://www.hundeschule-mannsberger.at , https://www.facebook.com/Hundeschule.Mannsberger , https://www.facebook.com/tiermasseurmannsberger

    Liebe Grüße
    das Team der Hundeschule Mannsberger