Mittwoch, 05.08.2020 13:30

Das Wohlfahrtsgebäude in Neu Leopoldau

Herr Wiffczek lernt immer gerne etwas Neues. Selbst wenn es um Dinge geht, die er eigentlich weiß, schadet es nie auch zu lernen was andere Menschen so wissen. Deswegen hat er sich kurzerhand einer der Baustellenführungen in Neu Leopoldau angeschlossen. Eine junge Frau vom GB*Stadtteilmanagement führt gemeinsam mit Frau Resch von der Baustellenkoordination durch das Gebiet, das Herr Wiffczek schon seit seiner Kindheit kennt.

Und Herr Wiffczek ist zutiefst beeindruckt von den verschiedenen Plänen, Bauwerken und Details. Sein Vater hat früher im Gaswerk gearbeitet und auch Herr Wiffczek selbst hat in seinen jungen Jahren immer wieder ausgeholfen und sich ein wenig Geld dazuverdient. „Schön, dass sie das Gebiet nicht verfallen lassen, sondern wieder mit Leben erfüllen.“, denkt er sich. „Immerhin ging es hier ja immer recht munter und gesellig zu und es war wirklich ein Jammer, dass hier solange alles leer gestanden hat.“

 

Von alten und neuen Treffpunkten der Nachbarschaft

Vorbei an Baustellen und auch fertiggestellten Häusern mit begrünten Innenhöfen, in denen sich viele Kinder tummeln, verläuft die Führung quer durch Neu Leopoldau. Schließlich macht die Gruppe einen Stopp vor einem der alten Gebäude und die Frau vom GB*Stadtteilmanagement beginnt zu erzählen:

„Hier befindet sich das sogenannte Wohlfahrtsgebäude des ehemaligen Gaswerks. Es wurde bereits in der ersten Planungsphase bedacht und stand ab der Inbetriebnahme des Gaswerks Leopoldau 1911 den Arbeitern und ihren Familien zur Verfügung. Das Wohlfahrtsgebäude war, wie in vielen Industrieanlagen der Zeit, der Mittelpunkt des sozialen Lebens auf dem Gelände. Auch die Dusch- und Sanitäranlagen waren von großer Bedeutung, da es um 1900 nicht selbstverständlich war, im Haushalt einen Wasseranschluss zu haben. Mit dem Wohlfahrtsgebäude stand den Arbeitern und ihren Familien auch als Ort der Bildung zur Verfügung, der Betriebsrat richtete hier deshalb auch eine kleine Bibliothek ein. Außerdem diente es als Kantine für die Arbeiter und als Treffpunkt für Familien und Nachbarn. So wurden in den Sälen regelmäßig Theateraufführungen abgehalten und an Weihnachten erhielten die Kinder der Arbeiter hier ihre Weihnachtsgeschenke.“

 

„Danke für die gute Recherche.“, sagt Herr Wiffczek, „Es ist schön, dass solche Dinge nicht in Vergessenheit geraten. Denn das Wohlfahrtsgebäude war schon etwas ganz Besonderes. Nirgends gab es in der Umgebung so großartiges Essen und so eine nette Atmosphäre. Ich erinnere mich noch lebhaft an lange Kegelabende hier. Aber sagen Sie: Was wird jetzt aus dem Wohlfahrtsgebäude?“. Da schaltet sich Frau Resch von der Baustellenkoordination in das Gespräch ein: „Das Wohlfahrtsgebäude wurde durch die Soravia Investment Holding GmbH erworben. Geplant ist es das Gebäude zu sanieren und ein Grätzlzentrum mit Fokus auf Gastronomie und Veranstaltungsflächen zu entwickeln. Damit soll das Wohlfahrtsgebäude auch in Zukunft wieder eine zentrale Rolle für das Miteinander im Gebiet einnehmen.“

 

Da ist Herr Wiffczek überglücklich. Es wird nicht nur das schöne alte Gebäude erhalten, es soll auch wieder neues Leben eingehaucht bekommen. Ganz in Träumereien versunken, bekommt er den Rest der Führung nur zur Hälfte mit. Zum Schluss bedankt er sich bei den beiden Organisatorinnen der Führung und freut sich darauf, dass nach all den Jahren das Wohlfahrtsgebäude wieder ein Treffpunkt für die Nachbarschaft wird.

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