Freitag, 22.05.2020 17:08

Balkonsprechstunde mit und bei Marlis Rief

Langsam grünt es auf dem Balkon von Frau Nachbarin. Zum Glück war sie bei der Balkonsprechstunde des GB*Stadtteilmanagements dabei und hat sich ein paar Tipps von der Landschaftsarchitektin Marlis Rief geholt. „Wie war das noch einmal mit den Kiwis? Und die Sache mit den Gräsern und Setzlingen…?“, grübelt Frau Nachbarin, sucht ihre Mitschrift von der Balkonsprechstunde heraus und liest nochmal das ganze Interview mit Marlis durch:

 

Liebe Marlis, was ist eigentlich bei dir, der Expertin, aus den Setzlingen des Ansaatworkshops im März geworden?

„Bei mir sind Rucola, Ringelblumen und Tomaten super aufgegangen. Die Tomaten habe ich gleich in richtige Töpfe gesetzt, weswegen sie nun schon echte Bäumchen sind! Auf dem Balkon habe ich dann noch Kletterwicken in die übrigen Töpfe angesät. Die wachsen dann über den Sommer das ganze Balkongeländer zu, blühen hübsch und sind ein toller temporärer Sichtschutz.“

 

 

 

Welche Töpfe verwendest du zum Gärtnern am Balkon?

„Ich probiere gerne viel aus und nehme oft auch Gefäße, die sich im Haushalt finden. Mein Balkon ist meine Oase, in der viele Dinge Geschichten erzählen. Ich verwende hier Terracottatöpfe, Maurerschaffel (Mörtelwanne), Holzkisten mit wasserfesten Einsätzen, Pflanzsäcke oder große Dosen. Wichtig für alle Gefäße ist, dass die Abzuglöcher am Boden groß genug sind. Die Abzuglöcher sollen auch frei sein, eventuell muss man einen Topf auf Leisten stellen, damit das Wasser abfließen kann. Der Topf soll dann noch auf einem Untersetzer stehen, damit das Wasser nicht gleich zum Nachbarn hinunter abläuft. Sollte mir einer meiner Töpfe gar nicht mehr gefallen, dann habe ich ihm schon mal aus Planen einen Überzug genäht!“

 

 

Marlis, welche Erde ist die richtige für den Balkongarten?

„Bei einer Bepflanzung für nur eine Saison, wie bei Gemüsepflanzen, reicht sicher eine normale Blumenerde, ich verwende immer Bio-Erde. Wenn man aber mehrjährige Pflanzen plant, dann sollte man eine Balkonerdenmischung verwenden. Diese Erden bestehen u.a. auch aus Blähschiefer und Lavagranulat. Das Ganze schaut recht steinig aus, hilft aber den Pflanzen sich besser zu verankern und speichert mehr Feuchtigkeit, was für einen mehrjährigen Balkongarten pflegeleichter ist.“

 

 

 

Und was muss ich beim Einsetzen beachten?

„Für das Einpflanzen nach „Vorschrift“ brauchst du: eine Pflanze, einen Topf, die passende Erde, Vlies, eine Drainage aus Leca oder kleinen Steinen und Tonscherben. Du legst über das Abzugloch im Topf den Scherben, – so bleibt das Loch immer frei, und darüber gibst du eine Handvoll Lecakugeln. Diese Schicht speichert Wasser und verhindert Staunässe. Mit einem Stück Vlies trennst du die Schicht zum Erdsubstrat ab und darin kannst du nun deine Pflanze einsetzen. So läuft es perfekt!“

 

 

Welche Pflanzen eignen sich für AnfängerInnen beim Balkongärtnern?

„Grundsätzlich eignet sich jede Pflanze, die Sonne, Wind und Trockenheit verträgt. Das heißt gleichzeitig, dass viele Gemüsepflanzen in der Pflege viel Aufwand bedeuten. Für mich muss mein Balkongarten neben Arbeit und Familie entspannt funktionieren. Deshalb bevorzuge ich Pflanzen, die pflegeleicht sind. Lavendel gehört für mich immer dazu, er ist trockenresistent, duftet und hat hübsche Blüten, die man nach dem Abblühen zurückschneiden soll, damit später wieder neue Blüten kommen. Auch Katzenminze und Taglilien gehören zu meinen Lieblingen. Meine grüne Basis sind Gräser wie kleines Chinaschilf, Federgras, oder Reitgras und Blauschwingel. Die meisten Gräser muss man im zeitigen Frühjahr zurückschneiden, daher setze ich immer im Herbst bereits Frühlingszwiebel wie Tulpen oder Krokus dazwischen, damit das Jahr mit Blüten starten kann.  Bei Kräutern nehme ich gerne Rosmarin, Oregano oder Thymian. Basilikumtöpfchen aus dem Supermarkt sind immer heikel. Da kaufe ich lieber Strauchbasilikum aus einer Gärtnerei, das hat kleinere Blätter und kommt mit meiner reduzierten Pflege besser zurecht. Aber mein treuester Favorit am Balkon ist die Kiwipflanze, die jedes Jahr neue Kletterrekorde feiert. Wenn man auch Kiwis ernten will, dann muss man beachten, dass man ein Kiwipärchen kauft, da die Pflanze zweihäusig ist.“

 

Marlis, was bedeutet dein Balkongarten für dich?

„Mein Balkongarten ist ein Experimentierfeld, in dem ich meinen Ausgleich vom Alltag finde. Hier muss nicht alles gelingen, hier erlebe ich die Schönheit der Jahreszeiten, stetiger Wandel ist das Konzept. Manche Pflanzen überraschen mich, weil trotz meiner besten Expertise einfach nichts weiterwachsen will und andere wuchern und blühen, dass es nur so eine Freude ist!“

 

 

 

Frau Nachbarin hat sich schon eine Einkaufsliste für den nächsten Besuch in der Gärtnerei zusammengestellt. Aber nicht alles muss gekauft werden. Einige Setzlinge vom Ansaatworkshop konnte sie mit der Nachbarschaft tauschen. Angeregt durch die vielen Ideen, sieht sich Frau Nachbarin in ihrer Wohnung um, ob sich nicht ein paar große Kisten und Dosen als Blumentöpfe eignen. Das wird nicht nur ein Balkongarten, Frau Nachbarin träumt schon vom größten Balkondschungel von Neu Leopoldau!

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